SWISS ARMY MAN (2016)

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Liebe folgt nicht selten einer Art Strohhalmmechanik: Sie bedarf einfach irgendetwas. In dem Fall des Filmes wirklich die Betonung auf irgendetwas, an das man sich klammern kann. Vor allem als Schutz vorm Alleinsein und der leidigen Einsamkeit. Allerdings müssen diese beiden Begriffe differenziert werden, das verdeutlicht nicht zuletzt der Film. Einsamkeit ist nicht mit der An- und Abwesenheit von Menschen verbunden, bzw. alternativ auch z.B. Haustieren, eine Balls namens Wilson oder in dem Fall untoten Toten, sondern ist das fehlende Gefühl von jenen Beachtung, Anerkennung und Wertschätzung erwidert zu bekommen, und die daraus resultierende immer schwermütiger werdende Unzufriedenheit. Ein Robinson Crusoe unter vielen. Allein einsam gestrandet auf einer Insel oder nicht allein einsam nur auf einer etwas größeren. Vom Kopf-in-der-Schlinge zum Überlebenskampf, nur subjektiv und temporär zu einer Verbesserung. Ein Kampf um Hoffnung, in welchem passend gemacht wird was nicht passt bzw. eigentlich doch einfach nur schön(er) geredet. Auch wenn mit dieser Symbiose Herzschmerz und Kopfweh immer mal kurz gestillt werden, an dieser Stelle ist die Schwelle zum Wahnsinn gefährlich nah, oder jene auch unbemerkt schon überschritten. Inklusive dem Brechen von dem, was allgemein unter Tabus fällt…und so zelebriert dies auch hingebungsvoll, fast schon via Brechstange, und metaphergeschwängert dieses Unikat von Film.

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DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER (2014)

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…definitiv ist es das früher oder später, aber selbst die kürzeste Liebe macht Sinn, wenn sie denn wahrhaft und intensiv ist. Und das obwohl, oder gerade weil, so etwas wie die ewige Liebe generell nur eine Illusion bleibt, schließlich existiert ewiges Leben auch nur im Traum. Der Moment zählt, die Hingabe und der Erfolg jenen so lang wie möglich zu konservieren. Da sich alles im Sein immer um Hoffnung auf irgendetwas und die Suche nach einem Sinn des Ganzen dreht, ist der genannte Moment der Erfüllung der größte Gewinn, besonders in Sachen Liebe, nicht zuletzt weil jener eine gefühlte Ewigkeit andauert und, selbst wenn er vorbei ist, die Erinnerungen (im besten Falle) nie verblassen. Was ist größeres Glück als ein pulsierendes Herz? So kann nur folgender Fokus entstehen: Einfach machen und dem Hingeben was möglicherweise unmöglich scheint. Die Traumwelt zur Realität machen, das Gefühl zu leben packen, dem Teufel der begrenzten Existenz ein Schnippchen schlagen.

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DIE FRAU DES ZEITREISENDEN (2009)

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Jeder weiß, dass Liebe nicht planbar ist und nicht unbedingt immer bietet was sie verspricht. Sie gibt letztendlich nur, was der Einzelne schafft zu nehmen und natürlich bereit ist selbst zu investieren. Im falschen Gleichgewicht, das heißt, wenn die Herz-Kopf-Antenne nicht (mehr) richtig sendet oder das Schicksal einem einen Strich durch die Rechnung macht, kann das zwar ausfüllend sein, aber oft nicht erfüllend. Der Traum, die große Liebe ausleben zu können, wird so oft zum Spagat zwischen emotionalem Hoch und Tief. Sobald dies zum Kampf wird, sprich einer Anstrengung, ist jener eigentlich schon aussichtslos verloren. Aber wer will sich das schon eingestehen, so in seinem mittlerweile von was auch immer getriebenen Bemühen, im besten Fall jenes wenigstens noch der ursprünglichen Form der Liebe. Das Erwachen im Sinne eines echten Eingeständnisses von Tatsachen kommt leider meist zu spät. Es gibt keine Kontrolle und ein Lenken ist nur bedingt möglich, es bleibt nur (ein oft zermürbendes) Hoffen/Bangen und man-selbst-sein-und-bleiben in jeder Zeitphase. Wenn man nicht das Delirium vorzieht. Am Steuer ist letztendlich doch das schon genannte Schicksal, oder wie auch immer man jenes nennen möchte.

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AUF DER SUCHE NACH EINEM FREUND FÜRS ENDE DER WELT (2012)

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Wer ist das nicht?
Diese eine besondere Person, der man sich besonders nah fühlt. Jene, die man so viel wie möglich
an seiner Seite haben will, sei es in alltäglichen als auch in besonderen Momenten. Ein Freund, der beste un mehr noch als dies. Der/Die Eine, für jetzt, vielleicht für immer. Das Erste, was man zu Beginn von was auch immer um sich braucht und das Letzte, was man am Ende sehen möchte. Ununterbrochen verbunden in Gedanken, im Herzen und auch körperlich. Die stärkste vorstellbare Relation. Ein Gleichnis von einem Menschen, egal wie formal unterschiedlich dieser vielleicht zu einem selbst ist. Nicht gesucht, aber gefunden. Meist aus einer unscheinbaren Begegnung hervorgegangen, doch schnell mit dem gewissen Etwas. Einer überirdischen Anziehungskraft, einer, die auch zwischenzeitliche Tiefs immer wieder übersteht. Schicksalhaft, dagegen wehren ist schlecht möglich und auch völlig überflüssig. Denn selbst in Momenten der inneren Schwäche wird schnell klar: es ist das Beste was einem passieren konnte.

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DER SCHWIMMER (1968)

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Brutaler Klassiker! Aber nicht im Sinne von körperlicher Gewalt innerhalb des Films, sondern von psychischer auf den Hauptdarsteller und auch auf die Zuschauer (welche sich wiederfinden zu vermögen).
Jeder befindet sich mehr oder weniger im letztendlich sehr simplen Kreislauf des bürgerlichen Seins, mit all den üblichen Verstrickungen, standardisierten Abläufen und durchschaubaren Gedankengängen. Und irgendwann kommt jeder, gewollt oder ungewollt, an den Punkt an dem er seine Vergangenheit in voller Breitseite auf die Gegenwart reflektierend vor den Latz geknallt bekommt. Das passiert meist durch schwerwiegende Begegnungen mit dem Zurückliegenden. Wenn die Konfrontationen noch gebündelt aufeinander folgen, ist ein komplettes Durchschütteln des eigenen (aktuellen) Seins nicht ausgeschlossen. Im besprochenen Film sind es alte verlorene Freunde, stets oberflächliche Bekanntschaften, Feinde, von denen man nichts wusste, Liebschaften, von denen man nichts ahnte, Menschen, denen man einst das Herz brach, welche die man fahrlässig verletzt hat oder einfach im Stich gelassen und so weiter. Wie schon gesagt, die volle Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auf einmal . Das „unbewusst“ steht dabei allerdings in ganz dicken Anführungszeichen. Bis zu einem bestimmten Punkt vermag man sicher all das nicht an sich heran lassen, in den Spiegel zu lächeln, die perfekte Fassade aufrecht zu erhalten, aber irgendwann bröckelt diese unweigerlich, bricht, und vielleicht auch man selbst. Die Realität holt einen immer ein.

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BITTER MOON (1992)

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Ein bitteres Spiegelbild der Vergänglichkeit von Leidenschaft und Lust, der Zerbrechlichkeit von erotischer Anziehung, so wie der einhergehenden Veränderung in den Herzen und Köpfen. Das Ganze versehen mit der offensichtlichen Faustformel, dass umso abgöttischer und inniger die Bindung ist, jene grenzenlose Faszination aneinander, scheinbar ein eigenes Universum erschaffend, desto schwerwiegender und schmerzlicher letztendlich der Verfall sein wird. Heiße Liebe und tiefer Hass liegen eng beieinander, verwirbelt in einem zerstörerischen und ausweglosen Geflecht. Ein Extrem zieht letztendlich das nächste nach sich, bei dieser unendlichen Fahrt auf der Achterbahn der Gefühle. Obsession in allen Bereichen und das ohne Einschränkung. Aus nicht voneinander lassen können wird nicht selten den anderen seelisch misshandeln, ihn demütigen, und das im gegenseitigen Wechselspiel. Eigene Unzufriedenheit, Verachtung seiner selbst, dann (frevelhaft) auf den Nächsten projizieren. Die Oberhand dieses Spiels wird dabei hin und her gereicht. Eine Katharsis ist nicht möglich. Der Aufstieg des einen in diesen törichten Schlagabtausch wird zum Fall des anderen. Beim Nicht-Voneinander-lassen-können bleibt es jedoch, trotz aller negativer Energie, gefangen in erfüllender und quälender Abhängigkeit.
Absolute Liebe und Hingabe klingt reizvoll, aber der Preis dafür kann mitunter zu groß sein.
Ein nihilistischer Film, und in Bezug darauf leider ein realistischer.

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I AM LOVE (2009)

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Ein Blitz ins Paradies der harmonischen Liebe. Ein Negieren der Annahme „es gibt perfekt“  für den einen, das Infrage stellen der so geschätzten und gehegten Glücksformel für den anderen.
Ein Frau in bestmöglichen Verhältnissen, eine funktionierende Ehe mit dem offensichtlich Passenden, gesicherte Umstände, keinerlei Grund zum Klagen. Kein Angriffspunkt für äußere Einflüsse auf die heile Fassade. Denkt man.
Doch dann der Reiz des Andersartigen, die plötzliche Kraft des fremden Nahestehenden, der Zauber einer aufkommenden Leidenschaft, einer intensiven Begegnung mit sich selbst. Ein Spiegel festgefahrener Normen, unsichtbarer Ketten, ein neuer Blick ins eigene Herz, beängstigend, früher oder später den Glauben raubend. Ein Weg ins vermeintliche Chaos, die Scheide zwischen Punkt und Fragezeichen. Oder der richtige Zeitpunkt einer falschen Flucht vor eigenem Verlangen, tiefen Wünschen. Möglicherweise aber auch die beste Entscheidung, allerdings niemals wirklich gut oder schlecht, so oder so, da nie objektiv. Immer unter dem Druck der geliebten Menschen, sowie seiner selbst. Auf jeden Fall eine mit Nachhall, letztendlich stets tragisch.

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BLUE VALENTINE (2010)

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Ein Film über ein tägliches Phänomen; Vorgänge, die sicher jeder kennt. Allerdings selten so ernüchternd, so lebensnah dargestellt. Ein Film mit möglicherweise gefährlicher Wirkung. Ohne den entsprechende Stabilität kann er für den Zuschauer gegebenfalls zu einer schmerzlichen Reflexion seiner selbst werden. Einer des Gegensatzes zwischen leidenschaftlicher Liebe und einer völlig abgekühlten Beziehung, filmisch verdeutlicht durch entsprechende Zeitsprünge. Die Grauzone dazwischen, dieser schmale Grat mit seinen schleichenden Vorgängen, dem teuflischen Alltag, dem verwirrenden Kreislauf der Annäherung und Entfremdung, all dies findet gedanklich im Kopf des Zuschauers statt, je nachdem wie sehr er sich wiederfindet, aktuell oder in der Vergangenheit.
Das Gesehene sollte jedoch nicht nur negativ beleuchtet werden, als Antiwohlfühlfilm sozusagen, selbst wenn den Betrachter neben dem traurigen Verlauf auch ein bitteres Ende erwartet. Es kann, nein, es muss sich gewissermaßen eine mahnende Wirkung entfalten. Erkenntnis als Ausgangspunkt des richtigen Weges sozusagen. Jetzt wirklich, ganz ohne schmalziges Pathos und platte Floskeln, der Ursprung der Zweisamkeit sollte konserviert werden, in dem er im Kopf allgegenwärtig ist. Dieses Kennenlernen, mit dieser unbeschreiblichen Gedankenwelt. Diese Magnetwirkung, selbst unter ungewöhnlichsten Umständen. Man dreht sich um den Anderen und alles um beide zusammen. Der zaghafte Beginn. Kleine Worte, große Wirkung.  „Nein“ sagen, „Ja“ meinen. Zu gut. Unsicherheit. Diese Spannung, das Näher-kommen, das Nah-sein. Verhältnismäßig kleine Berührungen von immenser Bedeutung. Noch besser.  Möglicherweise nicht zusammen passen, aber irgendwie zusammen gehören. Meist nicht gesucht, aber trotzdem gefunden. Schier unendliche Achtung voreinander, grenzenloser Respekt. Das alles einfach nicht zu vergessen, bei sich zu tragen, immer wieder auszuleben.

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